Elise Richter im Portrait
Elise Richter wurde am 2. März 1865 in Wien geboren. Sie erhielt
zunächst Privatunterricht. Als ein Ministerialerlass 1896 Frauen
die Matura ermöglichte, legte sie gleich im darauf folgenden
Jahr im Alter von 32 Jahren die Externistenmatura ab. Bereits 1901
konnte sie als erste Frau ein reguläres Studium mit der Dissertation
Zur Entwicklung der romanischen Wortstellung aus dem lateinischen
mit "summa cum laude" abschließen.
Gegen Vorurteile, Ängste und Widerstände der männerdominierten
Universität habilitierte sie sich am 3. Juni 1905 an der Universität
Wien als erste und einzige Frau in der österreichisch-ungarischen
Donaumonarchie. Ihre Habilitationsschrift Ab im Romanischen war
bereits 1904 erschienen. Die offizielle Verleihung der Venia legendi
verzögerte sich wegen des Widerstands frauen- und judenfeindlicher
nationaler, konservativer, klerikaler Kreise sowie aus Angst liberaler
Minister vor Massenprotesten und Unruhen weitere zwei Jahre. Am
25. August 1907 wurde Elise Richter Privatdozentin.
Während die Habilitation für Männer den Beginn der
Universitätskarriere darstellte, bedeutete dies damals für
Frauen gleichzeitig die Endstation. Trotz der erbrachten erforderlichen
Qualifikationen und der internationalen wissenschaftlichen Anerkennung
blieb ihr zeitlebens eine Professur verwehrt. Am 29. August 1921
wurde ihr der Titel eines außerordentlichen Professors verliehen,
der aber ohne beamten- oder besoldungsrechtliche Folgen blieb. Erst
ab dem Wintersemester 1927 erhielt sie einen bezahlten zweistündigen
Lehrauftrag für Sprachwissenschaft und Phonetik.
Elise Richter hat das Maximum erreicht was damals in der männerdominierten
Universität der k. u. k. Donaumonarchie und der Ersten Republik
möglich war. Außerhalb der Universität engagierte
sie sich in der Friedensbewegung, für Bildungspolitik und für
Frauenfragen. Elise Richter war zweifellos ein Pionier des Frauenstudiums
und leistete durch ihr Handeln einen wichtigen Beitrag für
die Frauenemanzipation.
Nach dem Anschluss erlosch ihre Lehrbefugnis. Im Oktober 1942 wurde
sie in das KZ Theresienstadt deportiert, wo sie am 21. Juni 1943
verstarb. (Quelle: Robert Tanzmeister)
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