Hertha Firnberg im Portrait
Leben
Hertha Firnberg wurde am 18. September 1909 als älteste Tochter
von Anna und Josef Firnberg in Wien geboren. Ein Jahr nach ihrer Geburt
übersiedelte die Familie nach Niederrußbach in Niederösterreich,
wo der Vater als Gemeindearzt tätig war. Die Mutter hatte nach
Herthas Geburt ihre Berufstätigkeit als Beamtin aufgegeben und
gebar danach noch drei weitere Kinder.
Nach der Grundschule besuchte sie die Mittelschule in der Wiener
Kalvarienberggasse, wo sie sich 1926 dem Verband Sozialistischer
MittelschülerInnen (VSM) anschloss und bald stellvertretende
Vorsitzende wurde. Mit der Studienzeit, während der sie Mitglied
des Verbandes Sozialistischer StudentInnen (VSStÖ) war, begann
auch ihr Leben in Wien. Gemeinsam mit ihrer Schwester, bezog sie
ein kleines Siedlungshaus in Favoriten.
Nach zwei Semestern Jus wechselte sie zur Wirtschafts- und Sozialgeschichte.
Nach einem kurzen Intermezzo an der Universität Freiburg promovierte
sie mit einer Dissertation über "Lohnarbeit und freie
Lohnarbeiter im Mittelalter und zu Beginn der Neuzeit" 1936
an der Universität Wien zur Doktorin der Philosophie.
Leben während der NS-Zeit
Hertha Firnberg war seit 1928 Mitglied der Sozialdemokratischen
Arbeiterpartei (SDAP) und Gegnerin sowohl des Ständestaates
als auch des Nationalsozialismus. Die ersten Jahre verdiente sie
ihr Brot mit Nachhilfestunden und als freie Wirtschafts-Journalistin.
Von 1941 bis 1945 arbeitete sie für "Chic Parisienne",
einen führenden Modeverlag, gleichzeitig erlernte sie Buchhaltung
und Betriebsführung und erlangte schlussendlich die Prokura.
Aktivitäten zwischen 1945 und 1959
Mit dem Kriegsende wechselte Hertha Firnberg an die Universität
Wien, wo sie als Bibliothekarin und Assistentin beschäftigt
war. Nebenbei machte sie sich mit den Methoden der Statistik und
Empirie und deren Anwendung auf das Wirtschafts- und Sozialgeschehen
vertraut. Zusätzlich war sie halbtags in einem Büro für
Werbung und Statistik tätig. Als sie 1948 in der niederösterreichischen
Arbeiterkammer als Angestellte begann, musste diese nach dem Krieg
erst wieder aufgebaut werden. Firnberg war dann leitende Sekretärin,
Abteilungsleiterin für Statistik und Leiterin der Studienbibliothek.
Politische Karriere
Firnberg war 1959-1963 Mitglied des Bundesrats und 1963-1983 Abgeordnete
zum Nationalrat. 1967 folgte sie Rosa Jochmann als Vorsitzende der
sozialistischen Frauen nach und hatte diese Position bis 1981 inne.
Sie hatte Funktionen im Finanz-, Unterrichts- und Justizausschuss
sowie als zweite Obfrau des außenpolitischen Ausschusses,
als Sprecherin der sozialistischen Fraktion in Bildungs-, Wissenschafts-
und Forschungsangelegenheiten und für Fragen der Rechtsreform,
speziell des Familienrechts.
Zwischen 1959 und 1970 war sie Mitglied der österreichischen
Delegation zur Beratenden Versammlung des Europarates, Vizepräsidentin
der Kommission für Flüchtlings- und Bevölkerungsfragen
und Mitglied des Asylbeirates im Innenministerium.
Nachdem die Sozialistische Partei Österreichs 1971 erstmals
die absolute Mehrheit im österreichischen Nationalrat erlangt
hatte, wurde Firnberg zunächst zur Ministerin ohne Portfolio,
aber mit dem Auftrag das neue Ministerium für Wissenschaft
und Forschung zu gründen, bestellt. Sie war nach Grete Rehor
erst die zweite Ministerin in der Geschichte Österreichs. In
ihre Amtszeit als Ministerin (1971-1983) fiel die Universitätsreform
1975 (Universitätsorganisationsgesetz 1975).
1983, nachdem die SPÖ die absolute Mehrheit wieder verloren
hatte, zog sich Firnberg aus der Politik zurück.
(Quelle: Wikipedia)
nach oben
|